Wie ein leerer Raum plötzlich zum Zuhause wird
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Letztes Jahr stand ich in einer Altbauwohnung in München, 48 Quadratmeter, und der Eigentümer fragte mich, warum seit drei Monaten kein Besichtigungstermin zustande kam. Die Wohnung war blitzsauber, aber die Möbel wirkten, als hätte jemand wahllos Restposten aus dem Möbellager zusammengekarrt. Ein durchgesessenes Sofa, ein zu hoher Esstisch, ein Bett ohne Nachttisch. Der Boden war frei, aber die Proportionen stimmten nicht. Genau hier greift home staging: Es geht nicht darum, die Wohnung umzudekorieren, sondern ihre funktionalen Schwächen zu kaschieren und die Stärken zu betonen. In dieser Wohnung war das größte Problem der fehlende Stauraum, den man mit einer Wand aus offenen Regalen hätte lösen können, aber der Eigentümer wollte keine Investition. Also griff ich zu einem Trick, den ich oft anwende: Ich stellte ein schmales Regal hinter die Eingangstür und platzierte einen Spiegel gegenüber. Plötzlich wirkte der Flur doppelt so breit, und die potenziellen Käufer konnten sich vorstellen, hier zu wohnen.
Besonders in kleinen Grundrissen kommt man um clevere Möbellösungen nicht herum. In einer anderen Wohnung, 42 Quadratmeter, stand das Schlafzimmer direkt neben der Küche, und die Wand war dünn wie eine Pappe. Der Eigentümer schlief auf einer aufblasbaren Matratze, die tagsüber im Schrank verschwand. Das sah nicht nur unordentlich aus, sondern roch auch noch nach Gummi. Ich empfahl ihm ein Bett mit storage, das gleichzeitig als Sitzbank fungiert. Die Matratze war eine 16 cm dicke Schaumstoffmatratze auf einem Lattenrost, der sich klappen ließ. Unter der Liegefläche verschwanden Decken, Kissen und sogar ein Klapptisch. In der Besichtigung öffnete ich das Fach und zeigte, wie viel Platz dort war. Die Interessenten staunten nicht schlecht, denn sie hatten selbst das Problem, dass Gästeübernachtungen in ihrer eigenen kleinen Wohnung immer eine Zerreißprobe waren. Plötzlich sahen sie eine Lösung, die sie mitnehmen konnten.
Das größte Hindernis beim home staging ist oft das Budget der Eigentümer. Sie wollen nicht in Möbel investieren, die sie später nicht behalten können. Aber man kann auch mit kleinen, gezielten Veränderungen viel erreichen. Ich erinnere mich an eine Doppelhaushälfte, in der das Wohnzimmer so vollgestellt war, dass man kaum um den Tisch herumkam. Der Eigentümer hatte einen massiven Eichentisch, der für sechs Personen ausgelegt war, aber nur zwei lebten dort. Also rückte ich den Tisch an die Wand, hängte zwei schmale Spiegel darüber und stellte zwei Stühle weg. Der Raum atmete plötzlich. Dazu kam ein Sofa mit Samtpolster in einem warmen Blaugrau, das ich gebraucht gekauft hatte. Die Polsterung war weich, aber straff, und das Gestell aus Buchenholz wirkte hochwertig. Die Besucher setzten sich instinktiv auf das Sofa und blieben sitzen, statt nach fünf Minuten wieder aufzustehen.
Manchmal liegen die Probleme nicht im Raum, sondern in der Art, wie er genutzt wird. Eine junge Familie zeigte mir ihre Wohnung, in der das Kinderzimmer gleichzeitig als Gästezimmer diente. Eine Klappmatratze lag immer auf dem Boden, und das Spielzeug quoll aus allen Ecken. Ich schlug ein Schlafsofa vor, das tagsüber als Couch und nachts als Bett dient. Die Wahl fiel auf ein Modell mit einem Klick-Klack-Mechanismus, der sich mit einer Handbewegung ausklappen ließ. Die Rückenlehne klappte nach hinten, die Sitzfläche wurde zur Liegefläche, und in zwei Minuten war das Zimmer wieder ein Schlafzimmer. Die Matratze hatte einen Kern aus kaltgeschäumtem Polyurethan, der nicht durchlag. Die Familie war skeptisch, ob so ein Mechanismus hält, aber nach einem Jahr nutzen sie ihn jeden Samstag, wenn die Großeltern zu Besuch kommen. Der Raum wirkt jetzt größer, weil keine überflüssigen Möbel herumstehen, und die Verkaufszahlen des Hauses sind gestiegen, seit die Wohnung so möbliert ist.
Ein häufiger Fehler beim home staging ist, dass man die Küche vergisst. In einer Altbauwohnung war die Einbauküche zwanzig Jahre alt, die Fronten waren vergilbt, und die Arbeitsplatte hatte Brandflecken. Der Eigentümer wollte keine neue Küche kaufen, weil der Verkauf ohnehin anstand. Also beklebte ich die Fronten mit selbstklebender Holzfolie in Eiche hell und tauschte die Griffe gegen schwarze Metallgriffe aus. Der Kühlschrank bekam eine magnetische Tafel, auf der ich ein Menü für den Abend notierte. Das kostete insgesamt 120 Euro und veränderte den gesamten Eindruck der Wohnung. Die Besucher stellten sich vor, wie sie hier kochen, während sie auf dem Sofa sitzen und die offene Küche sehen. Dazu stellte ich auf der Arbeitsplatte eine Schale mit Äpfeln und eine Kanne Kaffee. Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee ist ein unterschätztes Werkzeug, denn er löst eine emotionale Reaktion aus, die rationale Einwände überlagert.

In einer Eigentumswohnung mit schlechtem Grundriss hatte der Eigentümer das Problem, dass das Schlafzimmer nur Platz für ein Bett und einen Schrank ließ. Der Flur war schmal, und die Wohnungstür öffnete sich direkt ins Wohnzimmer. Ich riet ihm, die Tür zu entfernen und durch einen Vorhang zu . So wirkte der Eingangsbereich größer. Im Schlafzimmer stellte ich ein Bett mit Stauraum auf, das gleichzeitig als Sitzbank dient. Die Matratze war eine 18 cm hohe Kaltschaummatratze mit einer integrierten Auflage aus Viscoschaum. Darunter verschwanden Koffer, Wintersachen und sogar das Bügelbrett. Der Raum wirkte plötzlich aufgeräumt, und die potenziellen Käufer konnten sich vorstellen, hier zu wohnen, statt das Gefühl zu haben, in einer Abstellkammer zu schlafen. Das home staging hat hier den Unterschied gemacht, weil es die funktionalen Probleme löste, die den Verkauf blockierten. Der Eigentümer bekam nach vier Wochen ein Angebot, das fünf Prozent über dem ursprünglichen Preis lag.
Das Schöne am home staging ist, dass man nicht immer neue Möbel kaufen muss. Oft reicht es, vorhandene Stücke anders zu arrangieren oder durch günstige Accessoires aufzuwerten. Eine Freundin von mir hatte eine Couch mit Samtpolster in einem kräftigen Senfgelb, die sie von ihrer Tante geerbt hatte. Die Farbe war dominant, aber die Form war gut. Ich schlug vor, sie mit einem hellgrauen Überwurf zu bedecken und zwei große Kissen in Anthrazit und Creme darauf zu legen. Dazu ein Teppich in Naturfarben und eine Lampe mit Stoffschirm. Plötzlich wirkte das Wohnzimmer nicht mehr überladen, sondern gemütlich und einladend. Die Besichtigungen wurden länger, und die Leute blieben stehen, statt nach drei Minuten wieder zu gehen. Das ist das Ziel: Sie müssen sich vorstellen können, hier zu leben, und dafür braucht es keine teuren Designermöbel, sondern eine kluge Raumaufteilung und die richtigen Proportionen.
Wenn ich an die vielen Wohnungen denke, die ich betreut habe, fällt mir immer wieder auf, wie oft ein einziger Fehler den gesamten Eindruck ruiniert. Eine zu hohe Lampe, ein zu tiefer Sessel, ein Teppich, der den Raum optisch verkleinert. Beim home staging darf man keine Kompromisse machen, denn der erste Eindruck entscheidet innerhalb von dreißig Sekunden. Ich habe gelernt, dass man mit wenig viel erreichen kann, wenn man die Bedürfnisse der Zielgruppe kennt. Eine junge Familie sucht anderen Komfort als ein Paar ohne Kinder. Ein Paar ohne Kinder braucht vielleicht keinen Platz für einen Wickeltisch, aber ein Schlafsofa für Gäste, das sich schnell ausziehen lässt. In einer Wohnung, die ich kürzlich eingerichtet habe, stand ein Schlafsofa mit Klick-Klack-Mechanismus, das sich in zwei Minuten in ein Bett verwandelte. Die Matratze war 14 cm dick, der Bezug abnehmbar und waschbar. Die Interessenten waren begeistert, weil sie selbst keine Lösung für Übernachtungen hatten. Der Verkauf ging nach der ersten Besichtigung durch.
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